Avec la gracieuse autorisation de mars 2005

NACHBAU DER GRANDJEAN 3
Ein Traum nimmt Formen an

Die 1995 begonnene Rekonstruk-tion der Grandjean 3 durch Michel Porchet kommt gut voran. Der Flugapparat, der an der Air04 bereits am Boden vorgestellt worden war, dürfte in ein bis zwei Jahren seine ersten Rollversuche und Luftsprünge machen.
Innerhalb des Air-Clubs von Yverdon-les-Bains, einer Sektion des Aero-Club der Schweiz, hat sich eine kleine Gruppe von Lieb-habern historischer Flugzeuge in der «Old Impish Nipper Group» (OING) zusammengetan, die bald in «Air Historic» umbenannt wird. Zu dieser Gruppe geh6rt auch Michel Porchet ais begeisterter Anhanger der historischen Fliegerei.
Lange traumte der Schreiner-meister aus FIEZ, der seit bald dreissig Jahren die Fluglizenz für Privatmaschinen hat, von der Rekonstruktion eines historischen Flugzeugs. Zunachst hatte sein Interesse der Blériot XI gegolten. Nach verschiedenen Gesprachen mit der Witwe von René Grand-jean und der Sichtung historischer Werke über Flugpioniere der Schweiz, entschied si ch Porchet vor rund zehn Jahren aber für die Rekonstruktion des dritten und letzten Flugapparates von René Grandjean aus dem Kanton Waadt. Ein gewagtes Unterfan-gen, denn obwohl die Maschine teilweise von Blériot inspiriert war, waren keinerlei Konstruktions-plane verfügbar.
Die Grandjean 3 war nur ein einziges Mal gebaut worden. Hin-zu kommt, dass der Flugapparat bei einem Unfall am 24. Juni 1915 in Dübendorf vollkommen zerstOrt wurde. So konnte Michel Porchet der Grandjean 3 nur anhand von Fotos und Dokumenten nach-spüren; die Suche danach gestal-tete sich ebenso aufwandig wie der eigentliche Bau. Nur ein einziges Originalteil fand sich bei Jean-Louis, dem Neffen von René Grandjean: der berühmte Anlassmagnet.

Ein einzigartiges Flugzeug
Die Grandjean 3 ist in verschiedener Hinsicht ein einzigartiges Flugzeug. Es war das erste Flug-gerat, das vollstandig in der Schweiz gebaut wurde. Der Ein-decker mit hohen Tragflachen, Verspannung und Flügelspitzen-verwindung unternahm 1913 seinen ersten Flug. Er konnte wahl-weise mit Radern, Schwimmern oder Skiern ausgerüstet werden, die aus ihm das erste Flugzeug machten, das auf Schnee landen konnte, wie geschehen in Davos. Mit dem mit Schwimmern aus-gerüsteten . Flugzeug gewann Grandjean auch den Prix Eynard. Der mit 10000 Franken dotierte Preis kam damais echtem Reichtum gleich und wurde für die Überquerung des Genfer Sees in seiner gesamten Lange von Chillon nach Versoix verliehen. Die 69 Kilometer lange Strecke war in drei Etappen unterteilt worden: Ouchy, Rolle und Coppet. Dort konnte der Pilot seine Maschine auf dem Wasser landen, den Motor abstellen und ohne Hilfe von aussen wieder starten, was mit Hilfe eines einzigartigen Dynamo-systems möglich war, das es dem Piloten . erlaubte, seinen Motor vom Steuersitz aus zu starten. Auch das war eine grosse Premie-re. Bei Ausbruch des Ersten Welt-krieges wurde Grandjean eingezo-gen und mit seiner Maschine, die nun in Grandjean L umgetauft wurde, in der Luftaufklarung ein-gesetzt.

Zusammenarbeit mit Ingenieurschulen
Die Grandjean 3 war mit einem Vierzyl inder-60- PS- Boxermotor
der Schweizer Firma Oerlikon ausgerüstet, der sie auf 120 km/h beschleunigte und dem Flugap-parat für fast zwei Flugstunden Autonomie verlieh. Obwohl kein Motorplan verfügbar war, wollte Michel Porchet seine Replik mit einem identischen Motor aus-rüsten. Das Verkehrshaus der Schweiz, das eines von vierzehn Exemplaren dieses Motors besitzt, stellte ihm dieses daher für die Anfertigung einer Kopie zur Verfügung.
Hierfür war die Mitarbeit verschiedener Ingenieurschulen, wie der Ecole d'ingénieurs d'Yverdon-les-Bains (EIVD) bei der Anfertigung der Motorplane, der Ecole technique de Sainte-Croix, der Ecole des métiers de Lausanne und der Flugmechanikerschulen der Luftstreitkrafte in Meiringen, Payerne und Sitten bei der Teile-fertigung vonnbten. Einem Schü-1er der EIVD ist ferner ein Prüfstand zu verdanken. Montiert wurde der Motor durch die Mechaniker der EIVD. Das Gesamtwerk war Gegenstand von Diplom-arbeiten von Ingenieuren der tech-nischen Hochschulen, der Ab-schlussarbeit zu einem Techniker-diplom und eines CFC-Zeugnis-ses für Polymechaniker. Ein Student der EIVD widmete seine Diplomarbeit der Optimierung von Zelle und Pro1il der Tragflügel sowie der Berechnung der Flug-hülle.
Der Motor befindet sich der-zeit auf dem Prüfstand in Ecuvillens. Einige besonders komplexe Teile sind noch immer bei speziali-sierten Firmen in Arbeit

Michel Porchet ist daran gelegen, die hohe Qualitat der Arbei-ten dieser jungen Menschen her-vorzuheben. Ohne ihre Mitarbeit oder jene der vielen ehrenamtlich arbeitenden Helfer sowie ver-schiedener Stellen, insbesondere im Rahmen der dokumentari-schen Forschungsarbeiten, hatte das Projekt nicht realisiert werden kbnnen. So sind bisher über 12000 Arbeitsstunden für die
Realisierung der Replik der Grandjean 3 angefallen

Erster Flug in ein bis zwei Jahren
ln der Schreinerei in Fiez nimmt die Grandjean 3 langsam Formen an. Die Holzarbeiten sind zum grbssten Teil fertiggestellt. Wie es auch beim Originalmodell der Fall war, wurden Hblzer der Region verwendet, wie Tannen- und Lin-denholz für Rumpf und Flügel so-wie Eschenholz für Teile, die eine hohe Festigkeit erfordern, da die-se Holzart sich durch ihre Bieg-samkeit und Stabilitat auszeich-net. Verseilung und Steuerung von
Flugspitzenverwindung und Ver-spannung werden derzeit noch ausgeführt.
Bis zum ersten Flug, der für Sommer 2006 vorgesehen ist, werden aber noch viele Arbeits-stunden notwendig sein. So wird für die Bespannung, die bis zum nachsten Jahr fertig sein soli, auf synthetische Stoffe auf Nylonba-sis zurückgegriffen, die resistenter und weniger teuer sind ais die da-mais verwendeten Leinen- und
Baumwollstoffe. Danach müssen Motor, Tanks und vordere Verklei-dung des Flugapparates montiert und die ersten Rollversuche unter-nommen werden.
Wie bei anderen handwerklich gefertigten Apparaten auch, wird der Bau der Replik aufmerksam von der BAZL überwacht. Michel Porchet bereitet si ch aber jetzt schon auf den ersten Flug vor. Das zweisitzige Fluggerat wird aller-dings keine Passagiere zur Luft-taufe mitnehmen kbnnen, denn der zweite Sitz ist ausschliesslich
für einen Spezialisten bestimmt, der sich an der Einstellung des Flugzeugs beteiligt. Die Maschine wird aber bei Flugschauen im Flug zu bewundern sein.
Auch wenn das Projekt sich bereits in der Endphase befindet, ist noch finanzielle Unterstützung nbtig; aile Beitrage, die helfen, das
Andenken an den genialen Pionier der Luftfahrt, René Grandjean, hoch zu halten, sind willkommen.
Martin Rudaz

PAYERNE.- Airshow04